In diese Freikirche gehe ich bereits seit meiner Jugendzeit und dort habe ich sehr viel meiner freien Zeit investiert. Beim Bau des Gemeindehauses in den 90igern, in einer coolen Jugendgruppe… Später wurde ich dann als Gemeindeältester in die Leitung gewählt. Ich bin mit großem Engagement dabei, habe Visionen und versuche diese umzusetzen. Hier kann man noch mehr darüber lesen. Warum gerade diese Kirche?
Hier wird Glaube aktuell gelebt. Keine angestaubten Traditionen und weltfremde Dogmen. Glaube wird Realität im Alltag, Gemeinschaft und Freundschaft wird praktiziert.
Warum bin ich eigentlich Christ?
Es gibt Fragen in unserer Gesellschaft, die sind tabu, darüber schweigt man und doch hat jeder damit zu tun, muss sich persönlich damit herumschlagen, versucht Antworten zu finden oder versucht zu ignorieren und zu verdrängen.
Was ist der Sinn in meinem Leben, wozu das alles?
Wenn alles durch Zufall entstanden ist, was bin ich wert?
Gibt es einen Gott? Wenn es ihn gibt, wie kann er das Leid zulassen?
Was ist mit dem Tod, ist da wirklich alles vorbei?
Wie gehe ich mit Leid um?
Wie gehe ich mit Trennung um?
Und ich habe noch viele Fragen, die nicht geklärt sind. Aber ich bin auf dem Weg Antworten zu finden.
Die Schlüsselfrage ist für mich die Frage nach Gott. Wenn die geklärt ist, wird logisch schlüssig manches andere klar. Man kann nicht beweisen ob es ihn gibt oder nicht. Letztendlich ist es eine Frage des Glaubens … oder der Erfahrungen.
Ich habe Erfahrungen gemacht, weil ich mich auf den Glauben eingelassen habe. Und diese Erfahrungen waren gut. Mein Leben lief deswegen nicht reibungslos, aber ich konnte mit Schwierigkeiten und Problemen besser umgehen. Ich habe einen tiefen Sinn im Leben, den mir niemand nehmen kann. Das gibt mir Dankbarkeit, Zufriedenheit und einen gesunden Selbstwert.
Und ich habe andere Menschen in meinem Umfeld beobachtet, die sich auch darauf eingelassen haben.. Ich konnte das Gleiche sehen: Menschen können glücklich werden, können sich zum Positiven ändern, können frei von Abhängigkeiten werden, heil in ihrer Seele…
Das sind für mich persönlich Beweise, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde als wir sehen können.
Es gibt echte Vergebung, nicht nur Gras drüber wachsen lassen. Wenn man sie selber erfahren hat, kann man sie auch weitergeben und damit den anderen und sich selbst entlasten..
Es lohnt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen…
Ich glaube nicht…,
dass ich zufällig auf dieser Welt bin, ein Produkt des Zufalls oder eine Laune der Natur.
Ich glaube, dass sich der Schöpfer etwas dabei gedacht hat. Nicht nur, dass wir unendlich kreativ geschaffen sind, sondern noch viel mehr, wir sind fähig zu lieben. Und der Schöpfer selbst will diese Beziehung zu uns leben. Leider leben wir Menschen an diesem Ziel vorbei. Dabei geht viel zu Bruch, es wird viel zerstört, nicht nur in der Schöpfung sondern auch in Beziehungen. Aber Jesus hat uns gezeigt wie Gott nicht nur Schöpfer ist, sondern auch Vater. Ein Vater der offene Arme für seine Kinder hat, der sie unendlich liebt und ihnen immer wieder einen Neuanfang ermöglicht. Aus den Scherbenhaufen unseres Lebens möchte er uns heraus holen und uns eine sinnvolle Zukunft geben.
Davon bin ich im Innersten tief überzeugt und habe es selbst erlebt.
Deshalb bin ich unendlich dankbar und engagiere mich in der EFG Güldenen Pforte, einer freikirchlichen Gemeinde. Dort bin ich als Gemeindeältester und in vielen anderen Bereichen aktiv tätig.
lebendig glauben kann man nur durch persönliche Erfahrungen…
… und die hatte ich. Hier ein paar Beispiele davon:
Kindheitserfahrung
Ich war etwa 6 Jahre alt. Mein großer Bruder, 5 Jahre älter, kam von einer christlichen Freizeit zurück. Dort hatte er sich entschieden als Christ zu leben und ein entsprechendes Gebet gesprochen. Mit dieser Erfahrung kam er zu mir und sagte: Matthias, wenn Jesus morgen wiederkommt und seine Kinder zu sich holt, dann bin ich, Mama und Papa nicht mehr da und du bist allein. Das machte mir natürlich Angst und ich sprach auch ein solches Gebet: Lieber Jesus, ich will auch mein Leben dir geben, vergib mir bitte alle meine Sünden, Amen. Am nächsten Morgen bin ich zu meinen Eltern gerannt und habe ihnen gesagt: Jetzt bin ich auch ein Schäflein vom Heilend…
Nun ja, sicher etwas eigenartig und fragliche Motivation. Aber es war ein erster Anfang…
Gott sprach durch einen Offizier
… wie ich Bausoldat wurde…
Es gab in der DDR ein Gesetz, dass vor dem Studium die Wehrpflicht abzuleisten ist. So musste ich zur Einberufungsüberprüfung in das Wehrkreiskommando. Nach den Untersuchungen gab es ein abschließendes Gespräch. Mir war klar: Nur jetzt hatte ich die Chance meine Überzeugungen auch zu bekennen und zu leben. Ich nahm mir allen Mut zusammen und sagte, dass ich Bausoldat werden möchte. Das war die einzige halblegale Möglichkeit in der DDR den Dienst mit der Waffe zu verweigern. Wehrdienstverweigerer sind sonst ins Gefängnis gekommen. Daraufhin wurden auch noch Stasi-Offiziere hinzu gezogen und es artete in ein gefühlt nicht endendes aber bestimmt 3 Stunden langes Verhör aus, dass ich mir als 18 jähriger antun musste. Ich musste erklären wie ich zu dieser Einstellung kam, wer mich beeinflusst hat und ob ich mich denn nicht wehren würde, wenn man meine Familie entführen würde…
Ich war völlig am Boden zerstört und wollte das nur noch beenden. Man schickte mich für ein paar Minuten raus in den Flur, damit ich meine Meinung nochmal überdenken sollte. Ich nutzte die Zeit und schrie ein Gebet. „Gott, wenn es dich gibt, hol mich raus hier. Gib mir irgend ein Zeichen, damit ich weiß was ich tun soll. Schicke einen Blitz oder Donner. …“ Es blieb still in dem langen Gang, nichts, gar nichts passierte, eine unheimliche Stille… Mein Kopf war völlig leer und ausgelaugt. Wie konnte ich so eine lebenswichtige Entscheidung treffen?
Nach einer gefühlten Ewigkeit holte man mich wieder rein und fragte nach meiner Stellungnahme. Die hatten gesiegt, Gott redete nicht mit mir und ich wollte nur noch raus… Ich gab klein bei: „Ich hab es mir überlegt, ich leiste den aktiven Wehrdienst mit Waffe. Aber ich muss sagen ich bin Christ und kann nicht auf Menschen schießen.“ Da antwortete ein Offizier: „Sie müssen konsequent sein. Entweder leisten Sie den Dienst mit Waffe und da kann es auch passieren, dass Sie auf Menschen schießen müssen oder Sie leisten den Dienst als Bausoldat“.
Sie müssen konsequent sein… hämmerte es in meinem Kopf. Das war mein Fehler der letzten Jahre, da habe ich eindeutig versagt. Es berührte mich ganz tief. Ja, ich muss konsequent sein. Das war meine Baustelle. Der Offizier wusste gar nicht was er gesagt hatte, es war die Stimme Gottes, die ganz tief in mich hinein drang. Konsequent sein, dass ist bis heute meine Lebensmaxime…
Ich hörte mich nur noch sagen: „Dann mache ich Bausoldat“. Daraufhin erwiderte man mir zerknirscht, dass ich nun mit einer Einberufung nicht rechnen brauche. Damit war mir auch klar, dass ich mir ein Studium aus den Kopf schlagen konnte, denn die Einberufung kam bei den Bausoldaten meist erst mit 28. Aber das war mir egal, ich habe meine eigene Entscheidung für mein Leben getroffen und ich war konsequent.
So ganz nebenbei merkte ich dann, dass Gott auch ganz konsequent war und zu mir stand.
Ich wurde trotzdem einberufen und wurde Hausmeister in einem Armeeerholungsheim, ein idealer Job.
Ich konnte ein Studium beginnen und mein Bausoldatensein war mir nie ein Nachteil, eher ein Vorteil. Ich musste nicht wie alle anderen Reserveoffizier werden, denn in meiner Waffengattung gab es das nicht…
Was Vergebung wirklich heißt…
Nur eins lief nicht so gut, das mit der Treue: Schon bei der Hochzeitsfeier gingen ihre Gefühle spazieren. Es gab kaum eine Zeit, in der sie „meine Frau“ war, ich spielte emotional kaum eine Rolle. Erst nach Jahren zeigte sie es offen. Das waren oft gute Freunde, denen sie den Hof machte. Ich kam mir vor wie der letzte Dreck. Wir waren viel mit Freunden zusammen. Ich kämpfte darum in ihrer Nähe zu sein, sie wich aus und suchte die Nähe Anderer. Ich kam mir so überflüssig vor, es hämmerte in meinem Kopf, ich bin nicht geliebt. Das schmerzte und verletzte ganz tief. Schließlich zog sie aus.
Ich wollte es nicht wahr haben und stand nun vor einem Scherbenhaufen. Wir wollten alles anders und besser machen, eine bessere, ehrlichere und gleichberechtigtere Partnerschaft leben als die Generation unserer Eltern.
In einer Einkehrzeit sollte für mich ein Wendepunkt kommen. Ich habe die Nähe Gottes gesucht. Auch wenn ich meinte, dass mich niemand versteht, Gott würde mich verstehen. Das tat er und sprach auch sehr konkret zu mir: Mir wurde klar, ich bin geliebt von Gott und ich soll lernen zu vergeben. Ein tiefes inneres Wissen.
Ich sollte vergeben? Geht das? Was fange ich mit diesem riesigen Rucksack an Verletzungen an? Das ist doch mein Leben, das klebt an mir…
Gott schenkte mir eine wichtige Erfahrung. Bei einem Spaziergang durch die Hügellandschaft in Franken fand ich ein altes verwittertes Holzkreuz. Ich spürte das alte rauhe Holz unter meinen Fingern. Mir war als würde Jesus zu mir sprechen: „An diesem Holz hing ich, ich war auch verlassen und allein, niemand hat mich geliebt… ich kann dich verstehen, ich habe sehr gelitten unter der Einsamkeit. Aber das habe ich für dich getan, ich habe die Schmerzen für dich getragen. Du brauchst die Lasten nicht mehr zu tragen. Lege sie ab, hier vor dem Kreuz.“
Es begann ein Prozess. Ich konnte ablegen. Ich konnte vergeben. Meine Erinnerungen wurden Stück für Stück geheilt. In jedem Schubkasten meines Lebens gab es Erinnerungen die weh taten. Stück für Stück wurden sie zu meiner Lebensgeschichte die dazu gehört, aber ohne die schmerzhaften Gefühle.Damit verbunden war auch, dass meine emotionale Bindung sich löste. Ich hatte dann kein Problem mehr in die Scheidung einzuwilligen, die meine Frau beantragt hatte. Für den Rechtsanwalt war es wohl die reibungsloste Scheidung, die er erlebt hatte. Nach dem Gerichtstermin (“ im Namen des Volkes sie sind geschieden“), sind wir zusammen essen gegangen und haben ein Abschiedsmahl gefeiert. Ich habe voll loslassen können und hegte keine negativen Gefühle mehr.
Damit sollte ein neues Kapitel meines Lebens aufgeschlagen werden. Diese 8 Jahre meines Lebens waren nicht umsonst, es war für mich eine wichtige Lebensschule…

